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14. November 2007, 12:34 Movie Music

Beowulf

Christina Ruloff - Dumpfes, wildes Männergegröle im Takt ertönt: „Ho, Ho, Ho!“ Wir fliegen in die grosse Halle des besoffenen, dänischen Königs Hrothgar. In Kürze wird das Monster Grendel den feucht-fröhlichen Festlichkeiten ein Ende bereiten, Menschen aufspiessen, durch den Saal schleud...

Dumpfes, wildes Männergegröle im Takt ertönt: „Ho, Ho, Ho!“ Wir fliegen in die grosse Halle des besoffenen, dänischen Königs Hrothgar. In Kürze wird das Monster Grendel den feucht-fröhlichen Festlichkeiten ein Ende bereiten, Menschen aufspiessen, durch den Saal schleudern und essen: Nur ein wahrer Held kann Grendel töten... ein Held wie Beowulf, der aus der Ferne übers Meer kommt, und dessen Taten schon Barden in der ganzen Welt besungen haben. Tatsächlich gelingt es ihm, dem Monster einen Arm abzuhaken und es zu töten... aber ist Beowulf auch der dämonischen Mutter Grendels und ihren Tricks gewachsen?

Ein Bild von einem Mann: Der verjüngte und zusammengepixelte Ray Winstone!

Beowulf ist der neue Film des renommierten Regisseurs und Oscar-Preisträgers Robert Zemeckis (Forrest Gump, Cast Away). In letzter Zeit ist er ruhiger um Zemeckis geworden, hat er sich vor allem mit der Motion-Capture-Technik auseinander gesetzt. Das erste Resultat dieser Bemühungen, The Polar Express, ist in schauriger Erinnerung geblieben: Das Motion-Capture-Verfahren zeichnet Stimme, Mimik und Bewegungen der Schauspieler mit hunderten von Sensoren auf; in einem zweiten Schritt können diese Assets einer beliebigen künstlichen Figur auf den Leib gepixelt werden: So wird der vollschlanke, fünfzigjährige Beowulf-Darsteller Ray Winstone zu einem athletischen Riesen, mit makellosem Gesicht. John Malkovich kann einen älteren Höfling, gleichzeitig aber auch dessen Filmsohn mimen. Und obwohl im Presseheft alle Schauspieler unisono beteuern, wie grossartig es sei, frei spielen zu können, ohne sich mit läppischen Dingen wie der Beleuchtung oder gar einer Kamera auseinandersetzen zu müssen, ist das Resultat – gerade auf den gelifteten und zusammengepixelten Fantasiegesichtern – ernüchternd und künstlich: Das Charisma eines Ray Winstone oder John Malkovich ist irgendwo im Computer verloren gegangen.

Wer verbirgt sich denn hinter dieser Fratze? Richtig, das war einmal die Mimik von John Malkovich. Aber woher stammt der Rest?

Wer aber zumindest gehofft hat, sich dank des Filmes die Lektüre des Epos schenken zu können, wird bitter enttäuscht werden. ZemeckisBeowulf hat mit dem altenglischen Epos nämlich ausser dem Namen fast gar nichts gemein, gibt der Regisseur doch offen zu, sich mit dem „Beowulf“ gelangweilt zu haben. Daher haben die eifrigen Drehbuchautoren „revolutionäre Entdeckungen“ gemacht, fleissig Dinge dazuerfunden, und die Story mit reichlich „Sex and Crime“ ausgestattet. Beowulf bringt zum Beispiel Grendels Mutter nicht um – ist sie kein widerliches Monster sondern eine nackte und vollbusige Angelina Jolie in hochhackigen Schuhen – sondern lässt sich verführen, büsst hinterher für diese „Rassenschande“ und ergeht sich in pseudotiefsinniger Selbstreflexion...

Ist sie nicht reizend? Wer kann da schon widerstehen? Grendels Mutter wird von der lasziven Frau Jolie gemimt, mit allem was dazugehört!

Man kann so etwas gerne machen – ZemeckisBeowulf unterhält tapfer 120 Minuten – aber bitte mit echten Schauspielern, einer ruhigen und sinnvollen Kameraführung und einem Script, das zu 100% aus amerikanischen Mittelalter-Fantasien besteht und nicht den Namen eines schönen Epos’ missbraucht.

Bewertung: 2 von 5

Huch! Die Monster wüten wieder, ganz wie in einem Videogame.

  • Originaltitel: Beowulf
  • Land: USA
  • Genre: Fantasy
  • Dauer: 120 Minuten
  • Regie: Robert Zemeckis
  • Darsteller: Ray Winstone, John Malkovich, Angelina Jolie, Anthony Hopkins, Robin Wright-Penn
  • Verleih: Warner
  • Kinostart: 15.11.2007
Bilder: © Warner
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