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2. Oktober 2011, 21:57 Movie Zurich Film Festival

Shame @ Zurich Film Festival

Gregor Schenker - Michael Fassbender spielt einen sexbesessenen Geschäftsmann und hält seinen Pimmel in die Kamera. Ein grosses Kunstwerk ist "Shame" trotzdem nicht.

Shame @ Zurich Film Festival
Anonyme One-Night-Stands, Prostituierte, Pornos, Wichsen auf der Geschäftstoilette – das Leben von Brandon (Michael Fassbender) dreht sich um die Triebabfuhr. Dennoch findet er nebenher die Zeit, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein und sich ein teures Appartement mitten in New York zu leisten.
In dieses zieht ungefragt seine Schwester Sissy (Carey Mulligan) ein, weil sie wieder einmal Probleme mit einem Freund hat. Während ihr Bruder ein knallharter Geschäftsmann ist, ist sie eine leidenschaftliche Sängerin. Und sie lässt einfach ihr Zeug herumliegen, schläft mit Brandons Chef oder trinkt Orangensaft direkt aus der Tüte. Mit ihrer emotionalen Instabilität und seinem Suchtverhalten ist die Katastrophe vorprogrammiert.

An einer Stelle singt Mulligan eine stark verlangsamte Version des Sinatra-Hits "New York, New York". Eine Szene, die den Film als Gesamtes charakterisiert: Ästhetisch bis zum Geht-nicht-mehr, aber seelenlos und langweilig. Steve McQueens zweiter Film (schon sein Regiedebüt Hunger zeigte Fassbender in der Hauptrolle) ist voller wunderschöner Bilder von New York, modernen Appartements und Kopulationen. Aber jenseits davon hat er nichts zu bieten als gepflegte Langweile.

Wenn Fassbender zu Klängen klassischer Musik durchs Geschäftsviertel joggt oder im Regen demonstrativ emotional zusammenbricht, merkt man schnell, dass Shame bei allem Kunstanspruch vor allem aus Klischees zusammengebastelt ist. Eine gemächliche Inszenierung und lange Einstellungen müssen nicht schlecht sein, betonen hier aber die inhaltliche Leere dieses rührseligen Lehrstücks. Hinzu kommen überraschungsfreie Handlungsentwicklungen, bescheuertes Soap-Opera-Drama und eine latent verklemmte Moral (Pornos und Schwulenbars als Inbegriff der Verderbtheit). Dafür entschädigen weder nackte Brüste noch Fassbenders Penis.

Vielleicht war es ja Absicht, dass Shame so leer wie das Leben des Protagonisten ist. Aber wieso soll sich der Zuschauer das antun?


Der Film lief als Gala Premiere am ZFF und kommt nächsten Januar regulär ins Kino.

Bilder: Zurich Film Festival

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