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29. November 2012, 02:51 Movie

Kino: Trouble with the Curve

Gregor Schenker - Clint Eastwood jüngster Film ist ein eindimensionales Drama dritter Klasse, eine quälend banale Baseball-Tragödie, für die selbst Justin Timberlake verschwendet ist, und ein Tränendrücker für die besonders Anspruchslosen.

Kino: Trouble with the Curve
Was wird hier einem nicht alles um die Ohren gehauen! Clint Eastwood spielt Gus, der seit Jahrzehnten für ein Baseballteam als Talentscout arbeitet. Seine Sicht lässt genau so nach wie seine Prostata, in drei Wochen läuft sein Vertrag aus und der fiese Schmierlappen Sanderson (Matthew Lillard) will ihn aus dem Team haben, weil er mehr auf Computerstatistiken als auf Gus’ Erfahrung vertraut. Sanderson ist böööööse! Natürlich beweist der alte Knacker am Schluss, dass er mehr drauf hat als diese Jungspunde mit ihrem neumodischen Zeugs. Strike one.

Gus hat auch eine Tochter, die er nach dem furchtbar tragischen Tod seiner Frau zu Verwandten gab. Inzwischen ist Mickey (Amy Adams) erwachsen, hat Jus studiert und gute Aussichten darauf, in ihrer Anwaltskanzlei zum Partner ernannt zu werden. Sie hält ihrem Vater vor, dass er sich nie um sie gekümmert hat und stets Baseball seine grosse Liebe war. Trotzdem lässt sie sich von seinem Kumpel Pete (John Goodman) dazu überreden, Gus auf seiner aktuellen Tour zu begleiten. (Er soll das Talent eines Nachwuchsspielers beurteilen.)
Vater und Tochter kommen sich näher, werfen sich böse Dinge an den Kopf, sprechen sich aus und versöhnen sich schliesslich. Mickey lernt, dass die Familie wichtiger ist als die Karriere. Die beiden reden und reden und reden, als würd’s morgen verboten. Die plumpen Dialoge sind unerträglich. Strike two.

Dass Vater und Tochter sich endlich versöhnen, hängt auch damit zusammen, dass Gus urplötzlich mit einem fürchterlichen Geheimnis aus der Vergangenheit rausrückt. Was emotional berühren soll, ist in seinem melodramatischen Exzess ein einziger Lachkrampf. Darf’s noch etwas mehr sein? Strike three.

Das Drehbuch des Newcomers Randy Brown kursierte angeblich 15 Jahre in Hollywood, bis Eastwood darauf aufmerksam wurde und die Regie an Robert Lorenz übergab, der ihn seit gut zwanzig Jahren als Produzent und Regieassistent begleitet. Was um alles in der Welt der alte Mann an diesem erzbanalen Rührstück gefunden hat, weiss der Teufel. Gibt es nicht genug Soap Operas und Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen? Was für ein seichtes Gehirn findet Gefallen an dieser Nummernrevue von müden Klischees? Wer kann Figuren für voll nehmen, die alle entweder herzensgut oder abgrundtief böse sind? Kann irgendwer eine Geschichte spannend finden, die streng nach Schema F und ohne jede Überraschung genau den Lauf nimmt, den selbst der dümmste Zuschauer voraussieht? Wieso sind quietschfröhliche Happy Ends, die jeden denkenden Menschen beleidigen, nicht längst verboten?
Klar, der greise Eastwood hat auch Gran Torino zu verantworten. Aber irgendwo hört der Spass auf!

Die grosse Überraschung? Die ehemalige Pop-Sensation Justin Timberlake. Er spielt Johnny, einen ehemaligen Profispieler (Gus hat ihn entdeckt), der nun selbst als Talentscout arbeitet. Er verliebt sich in Gus’ Tochter, aber das ist nicht weiter von Belang (natürlich gibt es gegen Ende ein Missverständnis, das die junge Liebe auf die Probe stellt, aber das interessiert erst recht keine Sau). Von Belang ist, dass Timberlake aus dem Material, das er hier kriegt, bewundernswert viel herausholen kann. Alle Achtung. Amy Adams macht es ihm halbwegs engagiert nach. Eastwood hingegen steht mit zitternder Unterlippe da, wenn er Trauer darstellen soll, und sein Gespräch mit der toten Frau ist eine einzige Peinlichkeit. (Ich komme mir ja selbst schäbig dabei vor, das niederzuschreiben.)

Was hat es eigentlich mit dem erwähnten Nachwuchsspieler auf sich? Bo Gentry (Joe Massingill) schlägt einen Home Run nach dem anderen, ist aber ein totales Arschloch: Er redet dauernd davon, alle Weiber klarzumachen, sobald er in der Profiliga ist, terrorisiert seine Teammitglieder („Haltet die Schnauze, ich muss mich konzentrieren!“) und macht sich über den hispanischen Erdnussverkäufer lustig.

Dieser Erdnussverkäufer heisst Rigo Sanchez (Jay Galloway) und hat vom Erdnuss-Werfen einen derartigen Schlagarm entwickelt, dass er am Ende den Redneck Bo in Grund und Boden pitcht und an seiner Stelle als erste Wahl ins Team aufgenommen wird.
Das ist kein Spoiler. Wer das nicht nach der ersten Szene mit den beiden kommen sieht, ist eine dumme Nuss.

Wieso existiert ein solcher Film?


Bewertung: 1 von 5



  • Titel: Trouble with the Curve
  • Land: USA
  • Regie: Robert Lorenz
  • Drehbuch: Randy Brown
  • Darsteller: Clint Eastwood, Amy Adams, Justin Timberlake
  • Verleih: Warner Bros.
  • Start: 29. November 2012
Fotos von Warner Bros.
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