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14. August 2013, 15:56 Movie

Kino: Elysium

Christine Albrecht - Apokalyptische Szenerien häufen sich derzeit im Kino. „Oblivion“, „After Earth“, „Pacific Rim“ und „World War Z“ sind nur einige der aktuellen Filme, die der Erde in naher und ferner Zukunft ein übles Schicksal zuschreiben. „Elysium“ ist eine weitere dystopische Vision.

Kino: Elysium
Im Jahr 2154 schwebt die Raumstation Elysium wie ein Himmelskörper über der Erde. Auf ihr lebt der privilegierte Teil der Menschheit in Reichtum und Luxus und fürchtet dank fortschrittlicher Technik weder Alter noch Krankheit. Auf der verwahrlosten und überbevölkerten Erde kämpft jedoch der Grossteil der Menschheit gegen Armut und fehlende medizinische Versorgung. Roboter als Ordnungskräfte sorgen mit Schlägen skrupellos für Zucht und Ordnung.
Es herrscht also eine extreme Zweiklassengesellschaft, behütet von der knallharten Aussenpolitik von Secretary Rhodes (Jodie Foster) auf Elysium. Rhodes geht mit Nulltoleranz gegen die Bewohner der Erde vor und lässt illegale Flüchtlingsshuttles, die auf Elysium zu landen versuchen, erbarmungslos abschiessen.

Die Geschichte, die der Film Elysium erzählt, kann man sich denken, man hat sie in verschiedenen Variationen schon oft gesehen:
Da gibt es einen jungen Mann, Max (Matt Damon), der sich seit jungen Jahren nichts sehnlicher wünscht, als mit seiner Jugendliebe Frey (Alice Braga) nach Elysium zu fliegen und ein Leben im Luxus zu führen. Sein Traum bleibt natürlich unerfüllt, während Elysium tagtäglich am Himmel prangt und an das Verlangen nach einem besseren Leben erinnert.
Als Max bei einem Arbeitsunfall eine tödliche Dosis Strahlung erwischt und darauf nur noch fünf Tage zu leben hat, scheint die perfektionierte medizinische Versorgung auf Elysium seine letzte Hoffnung zu sein.

Was zu Beginn nach dem Kampf eines Einzelnen aussieht, steigert sich mehr und mehr in einen Krieg gegen die gegenwärtigen sozialen Verhältnisse, und plötzlich hält Max das Schicksal der gesamten Erdbevölkerung in seinen Händen.

Regisseur Neill Blomkamp hat sich nach District 9 erneut der Zweiklassengesellschaft angenommen. Die Hauptfigur stammt nun aus den Reihen der Unprivilegierten, was die kritische Komponente des Films leider etwas verblassen lässt, da sich der Zuschauer mit der Hauptfigur als Teil der Unterdrückten fühlt.
Dass der Film auf furchteinflössende Aliens verzichtet, lässt ihn dagegen plausibler wirken, soweit das Sci-Fi-Filme zulassen. Die Geschichte bewegt sich nah an der Komfortzone des Zuschauers, denn in der Situationsgrundlage für Elysium könnte man eine extremere Form der heutigen globalen Verhältnisse sehen. Die Flucht der Oberschicht vor Krankheiten, Umweltverschmutzung und Überbevölkerung scheint nicht weit hergeholt zu sein und die ungleiche Gesellschaftsordnung erinnert stark an die Occupy-Bewegungen der letzten Jahre.
Der Film ist auf den ersten Blick ein Sci-Fi-Thriller, der in ferner Zukunft spielt, auf den zweiten Blick aber auch ein sozialkritischer Film, der dem Publikum den Spiegel vorhält.

Neben dieser kleinen gesellschaftskritischen Komponente beinhaltet Elysium aber auch viel, was einen guten Sci-Fi-Kinofilm ausmacht: eine dystopische Zukunftsvision, der "American Dream" der Zukunft, eine Liebesgeschichte und einen Helden, dem die Zeit davonläuft. Zwischen blutigen Kampfszenen und explodierenden Körperteilen geht die Sozialkritik aber leider etwas unter. Auch das Ende des Films ist unbefriedigend, macht es sich Blomkamp damit doch etwas zu einfach.

Doch Elysium bleibt aber anständiges Sci-Fi-Kino: Action, eine spektakuläre Raumstation (die nebenbei stark an diejenige aus Kubricks 2001: A Space Odyssey erinnert) und eine Thematik, die den einen oder anderen Zuschauer vielleicht doch zum Nachdenken bringt.

  • Titel: Elysium
  • Land: USA
  • Regie / Drehbuch: Neill Blomkamp
  • Darsteller: Matt Damon, Judie Foster, Sharlto Copley, Diego Luna, William Fichtner, Alice Braga
  • Start: 15. August 2013
Fotos von TMDb.pro
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