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11. Dezember 2014, 11:48 Movie

KINO: A MOST WANTED MAN

Christine Albrecht - Es ist Philip Seymour Hoffmans letzter Auftritt. In Anton Corbijns neustem Film spielt er den Leiter einer deutschen Antiterror-Einheit ausserordentlich gut, so gut, dass der Rest des Films fast etwas verblasst.

KINO: A MOST WANTED MAN
Der mysteriöse Flüchtling Issa Karpov (Grigroriy Dobrygin) wird buchstäblich in Hamburg angeschwemmt. Als potentieller gefährlicher Terrorist eingestuft, wird der halb Russe, halb Tschetschene von Gunther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) und seinem kleinen, unsichtbar agierendem Team im Auge behalten.

Karpov sucht in Hamburg Hilfe bei der idealistischen Rechtsanwältin Annabel Richter (Rachel McAdams), die für ihn den Kontakt mit dem undurchsichtigen Banker Tommy Brue (Willem Dafoe) herstellt. Karpov beansprucht sein Recht auf eine überaus hohe Geldsumme, die sein Vater unter fraglichen Umständen erlangt hatte. Bachmann, der deutsche Geheimdienst und die CIA rätseln, ob Karpov eine Gefahr darstellt oder tatsächlich nur Opfer ist.

Bachmann kämpft dabei nicht nur den Kampf gegen Terrorismus, sondern auch gegen seine beiden grossen Nebenbuhler: die CIA, vertreten durch Agentin Martha Sullivan (Robin Wright), und dem Bürokraten des deutschen Geheimdienstes Dieter Mohr (Rainer Bock), der Bachmann im Nacken sitzt.

Philip Seymour Hoffman ist in seinem letzten Film A Most Wanted Man wirklich grandios. Er spielt darin den äusserst cleveren Günther Bachmann, der quasi als Marionettenspieler fungiert. Im Gegensatz zu einem charmanten, gut aussehenden und gestählten James Bond ist es hier der kettenrauchende, fluchende, trinkende und einsame Spion, der nicht nur gegen Terrorismus ankämpft.

Gerade diese Authentizität ist es, die den Film auszeichnet. Zweifelnde Spione statt flirtende Agenten, intelligentes Fadenziehen statt kopflose Action. Fans von actionreichen Blockbustern wird er wohl weniger gefallen, Fans von intelligenten Spionagethrillern werden aber ihre Freude daran haben. Denn wie bereits Tinker, Tailor, Soldier, Spy ist auch A Most Wanted Man die Adaption eines Romans von John le Carré.

Doch Gerade Hoffmans aussergewöhnlicher Auftritt lässt den Rest des Films fast etwas verblassen. Der Film ist gänzlich auf seine schauspielerische Leistung gestützt, ohne ihn wäre er wohl nur halb so gut.

Schade ist dies im Hinblick auf den Rest des Casts, der hochkarätig besetzt ist und auch sehr gut agiert: Rachel McAdams gibt die rebellische und etwas naive Anwältin, Willem Dafoe passt perfekt in die Rolle des etwas schmierigen Bankers Tommy Brue, Grigroriy Dobrygin verkörpert den gezeichneten Issa Karpov wirklich sehr eindrücklich und Robin Wright vermag als CIA Agentin und Gegenspielerin Hoffmanns zu überzeugen.

Wehmutstropfen aus deutschsprachiger Sicht sind Daniel Brühl und Nina Hoss. Nicht weil sie etwa schlecht spielen, sondern weil sie mit ihren spärlichen Auftritten kaum Gelegenheit haben ihr schauspielerisches Können zu beweisen.

Nichtsdestotrotz bleibt festzustellen, dass es wirklich ein Genuss ist Hoffman bei seinem Spiel zuzusehen. Leider ist die traurige Note nicht zu verbergen, Hoffman in seiner letzten Hauptrolle als verbrauchtes Genie zu sehen: eine tragische Parallele zur Realität.

Es sei hier zudem kurz auf den Schluss des Films verwiesen, ohne ihn natürlich zu verraten. Doch das Ende bildet wohl den besten Teil des Films. Und das nicht nur weil hier Hoffmann einen wirklich guten, vielleicht fast schon oscarreifen Auftritt hat, sondern weil der Film sich hier von all den anderen verherrlichenden Spionagefilmen abhebt. Die allerletzte Szene spricht zudem Bände. Dazu die raue, unfertige und authentische Inszenierung von Anton Corbijn macht das Ende des Films zu einem der besten des Jahres.

Bewertung: 4 von 5

  • Titel: A Most Wanted Man
  • Land: Vereinigtes Königreich
  • Regie: Anton Corbijn
  • Drehbuch: Andrew Bovell nach dem Roman von John le Carré
  • Darsteller: Philip Seymour Hoffman, Rachel McAdams, Robin Wright, Grigoriy Dobrygin, Willem Dafoe
  • Start: 11. Dezember 2014

Fotos von TMDb.pro

Kommentare
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glaringfacts 01.01.2015 um 17:09
Very nice review!