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1. Januar 2015, 00:00 Movie

Kino: Fish & Cat

Gregor Schenker - Ein iranischer Mystery-Thriller um Kannibalen-Köche, gedreht in einer einzigen Einstellung: Das neue Kinojahr startet mit einem Knaller. Aber was hat es mit den beiden Einarmigen und den toten Enten auf sich?

Kino: Fish & Cat
In den 1990ern wurden im Iran Restaurantbetreiber angeklagt, Studenten umgebracht und deren Fleisch in der Küche verwendet zu haben. Eine Texttafel am Anfang unterrichtet uns von diesem angeblich wahren Fall.

Die eigentliche Handlung beginnt mit zwei gammligen Typen, die im iranischen Hinterland ein Lokal betreiben. Genauer gesagt, in der Nähe eines Stausees. An den Ufern dieses Sees haben sich mehrere Studentengruppen eingefunden, um zu zelten und in einem Wettkampf Drachen fliegen zu lassen. Das zwielichtige Duo treibt sich auf dem Gelände herum, beobachtet die Studenten, klaut Gegenstände aus ihren Zelten. Schliesslich überredet der eine eine Studentin dazu, mit ihm allein in den Wald zu gehen, um das Hauptventil für den Stausee abzudrehen …

Alle Achtung, Shahram Mokri weiss, wie man Spannung erzeugt. Aber der junge Filmemacher beherrscht die Regeln des Thrillers nicht nur, sondern führt sie mithilfe eines ganz bestimmten Stilmittels auf die Spitze: Der ganze Film ist in einer einzigen Einstellung gedreht.

Man ist als Zuschauer ein Gefangener der Kamera, ist gezwungen, sich an ihren engen Horizont zu halten. So folgt sie zunächst den beiden Köchen, heftet sich dann aber plötzlich an einen Studenten. Während die jungen Leute streiten oder nach Lampen suchen, fragt man sich die ganze Zeit, was die Köche machen. Bis sie plötzlich wieder ins Bild kommen. Selten hat man sich der Kamera derart ausgeliefert gefühlt.

Und nicht nur das: Da begrüssen sich ein junger Mann und eine junge Frau. Das Besondere daran: Man hat die Szene schon einmal gesehen, wenn auch aus einer anderen Perspektive. Während der ununterbrochene Lauf der Kamera eine fortlaufende Handlung impliziert, häufen sich diese Wiederholungen. Es ist, als befände man sich in einer mehrfach verknoteten Zeitschlaufe.

Der Film zieht einem mehr und mehr den Boden unter den Füssen weg. Der stringente Thriller wird zum surrealen Horrorfilm. Was am Anfang eine einfache Geschichte schien, wird zum Albtraum. Am Himmel Türmen sich unvermittelt dunkle, bedrohliche Wolken. Die beiden Einarmigen in ihren roten Latzhosen, die tote Enten durch den Wald tragen, erweisen sich als Boten des Weltenendes.
Shahram Mokri spielt ebenso mit den Regeln der Genres wie mit der Logik von Erzählungen, löst sie zunehmend auf. Der Zuschauer ist ihm völlig ausgeliefert – bis hin zu einem grandiosen Ende, das einen sprachlos zurücklässt.


Bewertung: 5 von 5



  • Titel: Fish & Cat (Mahi va gorbeh)
  • Land: Iran
  • Regie & Drehbuch: Shahram Mokri
  • Darsteller: Babak Karimi, Neda Jebraeili
  • Verleih: Trigon
  • Start: 1. Januar 2015

Fotos von Trigon

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