Magazin durchsuchen

Neuste Blogs

22. Januar 2015, 16:59 Movie

Kino: The imitation game

Murièle Weber - Benedict Cumberbatch brilliert einmal mehr in der Rolle des missverstandenen Aussenseiters. Und erneut soll sich die Welt in seine Figur verlieben. Und das tut sie (Oscar-Nomination inklusive). Er spielt Alan Turing, der einen Vorläufer des Computers erfand und den Nazicode Enigma knackte.

Kino: The imitation game
„Schenken Sie mir Ihre ganze Aufmerksamkeit? Gut. Denn falls Sie nicht achtsam zuhören, werden Ihnen Dinge entgehen. Ich werde mich nicht wiederholen und Sie werden mich nicht unterbrechen“, instruiert Alan Turing sein Publikum gleich zu Beginn. Seine Arroganz und seine gleichzeitige Angst missverstanden zu werden sind nicht nur die Ouvertüre zum Film, sondern liefern auch gleich die Anhaltspunkte für den Zugang zu diesem komplexen Charakter.

Benedict Cumberbatch wird es dann auch nicht leid die Hymne dieses bis anhin weitgehend unbekannten Mannes zu singen. Er feiert ihn abwechselnd als Kriegshelden, der Millionen von Leben rettete, weil er Enigma, den Geheimcode der Nazis, knackte, als Schwulenikone, weil er als schwuler Mann grosses Unrecht erfuhr, und als Vater des Computers, weil er massgeblich zu dessen Entwicklung beitrug. Kurzum der Mann war so grossartig, dass er auf eine britische Geldnote gehöre, wie Cumberbatch nicht müde wird zu betonen.

Der Film folgt dann drei Stationen in Turings Leben. Wir sehen ihn als gemobbten Einzelgänger in den 1920er Jahren in einem englischen Schulinternat, als eine Art coming-of-age Installation; als jungen Mann 1939/40 beim Entschlüsseln des Enigma-Codes, als einer Art Thriller; und als Mathematikprofessor 1951 in Manchester, als er verhaftet und wegen seiner Homosexualität zu einer hormonellen Kastration gezwungen wird, als eine Art Sozialdrama.

Cumberbatch spielt ihn brillant. Wie ein Mäuschen wirkt er, zerbrechlich, angeschlagen, gar nicht wie der herumstolzierende Sherlock, als den wir Cumberbatch sonst kennen. Dafür teilen sich die beiden Figuren das Aussenseitertum und die Arroganz und ihren Darsteller, der Turing mit leichtem Stottern spielt, welches er meisterlich nicht auf den üblichen Konsonanten, sondern auf den Vokalen zum Vorschein bringt. Dafür bekam der Schauspieler das Siegel der Authentizität von Turings Familie, die ihm einhellig bestätigte, dass sie dachten Turing vor sich zu haben.

Der Film macht eigentlich alles richtig. Er zeigt uns interessante Menschen in warmen Farben in unberührter englischer Natur in einem Kampf Gut gegen Böse. Wenn nicht ab und zu erwähnte würde, dass da draussen irgendwo Menschen sterben, man wähnte sich auf einer Gartenparty unter Strebern. Es gibt den charmanten Sunnyboy (Matthew Goode, The Good Wife), dem die weiblichen Herzen nur so zufliegen, den verständnisvollen Irländer aus der Arbeiterschicht (Allan Leech, Downton Abbey) und sogar eine kurze Romanze mit einer intelligenten Frau (Keira Knightley). Und dann eben Cumerbatch, dessen Turing man sich emotional nicht entziehen kann.

Auch im Drehbuch finden sich abgesehen von einigen historischen Ungenauigkeiten keine Fehler. Der Film ist insgesamt glatt, alles geht nahtlos ineinander über, wie poliert. Und das ist genau das Problem. Während Turing gerade wegen seinen sozialen Phobien, seiner Arroganz und seiner Unbeholfenheit die Herzen zu rühren vermag, schafft das der Film insgesamt nicht. Perfektion ist am Ende eben immer das: zu glatt um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.


Bewertung: 3.5 von 5

  • Titel: The Imitation Game
  • Land: UK, USA
  • Regie: Morten Tyldum
  • Drehbuch: Graham Moore
  • Darsteller: Benedict Cumberbatch, Matthew Goode, Keira Knightley, Allan Leech
  • Verleih: Ascot Elite
  • Start: 22. Januar 2015

Fotos von Ascot Elite
Kommentare
Login oder Registrieren