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10. Februar 2015, 00:00 Interview Movie

Dodo Hunziker im Interview

Gregor Schenker - Wieviel weisst du wirklich über Tibet, Dalai Lama und Co.? Der Dokumentarfilm „Tibetan Warrior“ bietet ganz neue Einblicke in die tibetanischen Unabhängigkeitsbewegung. Wir haben mit dem Regisseur Dodo Hunziker darüber gesprochen.

Dodo Hunziker im Interview
Am 12. Februar kommt Tibetan Warrior in die Kinos. Der schweizerische Dokumentarfilm dreht sich um den Exil-Tibeter Loten Namling, den folgende Frage umtreibt: Was kann er als Einzelner tun, um seinem Volk zu helfen?
Regisseur Dodo Hunziker erzählt uns nun von kriegerischen Tibetern, schwierigen Vorbereitungen und Zuschauerreaktionen.

Hier findet ihr übrigens eine Kritik zum Film. Hier gibt's das Interview mit Loten Namling selbst. Und hier ist die offizielle Website zum Film, wo auch sämtliche Vorstellungen gelistet sind.


Students.ch: Der Titel deines Films tönt ja sehr martialisch. Bei Tibetern denkt man eigentlich an friedliche Mönche, nicht an Krieger.

Dodo Hunziker: Das ist natürlich ein Bruch. Im Westen steht Tibet meist für Spiritualität, Gewaltfreiheit oder den Dalai Lama.


Im Film sieht man aber, dass die tibetanische Unabhängigkeitsbewegung auch ihre radikalen Seiten hat.

Man muss bedenken, dass die Tibeter zum Teil ein sehr kriegerisches Volk waren. Unter anderem durch den Buddhismus ist es befriedet worden. Die kriegerische Kraft ist aber nie ganz verschwunden und auch in Loten Namling spürt man sie noch.


Als Namling die tibetische Exilgemeinde in Nordindien besucht, trifft er auch auf einen Lyriker. Dieser fordert den Einsatz der Atombombe gegen die chinesischen Besatzer.

Zumindest sagt er, sie hätten das Recht darauf. Innerhalb der Tibetergemeinde herrschen rechte Spannungen. Es gibt eben auch Stimmen, die für Gewalt sind.


Neben dem Lyriker treten auch Leute wie Bundesrat Johann Schneider-Ammann oder sogar der Dalai Lama auf. War es schwierig, diese Leute vor die Kamera zu bekommen?

Es war nie ganz leicht. Es brauchte lange Vorbereitungen. Ich bin froh, dass es am Ende geklappt hat, aber es war harte Arbeit.


Wie seid ihr von DokLab denn überhaupt auf Namling gestossen?

Ein gemeinsamer Bekannter hat von ihm und seinen Plänen erzählt, bis wir uns gedacht haben: „Okay, das hören wir uns an.“ Namling hatte vor, mit einem schwarzen Sarg von Bern bis nach Genf zu marschieren. Dieses Bild vom wilden Tibeter, der einen Sarg durch die heile Welt der Schweiz zieht, hat mich sofort gepackt. Für einen Film ist es keine schlechte Taktik, mit einem starken Bild zu beginnen.
Ausserdem hat mich das Thema gewaltfreier Widerstand schon länger interessiert und ich wollte mich gerne näher damit auseinandersetzen.


Der Film geht dann über die Aktion mit dem Sarg hinaus und zeigt, wie er selbst eine Entwicklung durchmacht. Nach anfänglichen Zweifeln, ob sein Tun überhaupt irgendetwas bringt, radikalisiert sich Namling immer mehr, bis er am Ende eine Audienz beim Dalai Lama hat.

Ich war froh, dass sich dieser Handlungsbogen ergeben hat. Das habe ich am Anfang ja nicht voraussehen können.


Spannend ist zudem, dass du Namling immer auch als ambivalente Figur präsentierst.

Ich wollte keinen Imagefilm für ihn drehen, sondern auch seine anderen Seiten zeigen. Mein Anspruch war, seine Entwicklung, seine Gedanken und Gefühle zu dokumentieren und für die Leinwand zu interpretieren. Es war meine Absicht, ihm gegenüber auch kritisch zu sein. Er hat aber auch die Nähe zugelassen, die dazu nötig war, und war fähig zur Selbstkritik.


Wie waren bisher die Reaktionen auf den Film?

Sie waren zahlreich und ich habe viele gute Reaktionen bekommen. Ein Professor für Religionswissenschaft zum Beispiel meinte, es sei sehr spannend, in diese Welt hineinzusehen. Und auch viele Tibet-Kenner oder Tibeter gaben mir positives Feedback.


Bilder von DokLab.


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