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11. Februar 2015, 00:00 Movie

Kino: Fifty Shades of Grey

Gregor Schenker - Sadomaso für Kindergärtner: Das Versprechen von Verruchtheit löst dieser Film ebenso wenig ein wie die Buchvorlage. Was übrig bleibt, ist die langweiligste Liebesgeschichte der Welt.

Kino: Fifty Shades of Grey
Um das Problem mit Fifty Shades of Grey zu begreifen, muss man sich eigentlich nur den Titelsong von Annie Lennox anhören. War die Version von Screamin' Jay Hawkins voller Sex und animalischer Wildheit, ist die von Lennox steril, langweilig und vor allem harmlos.

Es herrscht ja der Eindruck, das Buch sei schlüpfrig und verdorben, doch was E.L. James unter Sadomaso versteht, erschreckt allenfalls kleine Mädchen und alte Jungfern. Sie beschreibt eine Sexualität ohne Abgründe oder Körperflüssigkeiten, eine Leidenschaft ohne Saft. Keimfreies Möchtegern-Ficken für Leute, die Angst vor der Missionarsstellung haben.James gleicht einem Teenager, der mit seinen Erfahrungen an der Peitsche prahlt, aber offensichtlich kaum schon mal geküsst wurde.
(Von ihrem Schüleraufsatz-Schreibstil wollen wir gar nicht erst anfangen.)

Der Film ist nun endgültig softestes Hollywood-Gerutsche, das jederzeit im Nachmittags-TV laufen könnte. Und sobald man über die bisslosen Sexszenen hinweg sieht, fällt einem auf, was Fifty Shades of Grey in Wirklichkeit ist: Eine stinklangweilige Liebesgeschichte.

Zwei Menschen begegnen sich und verlieben sich vom Fleck weg ineinander, ohne dass man jemals nachvollziehen könnte, was sie aneinander finden. Anastasia Steele (Dakota Johnson) mangelt es gänzlich an irgendwelchen Charaktereigenschaften, während das einzige Alleinstellungsmerkmal von Christian Grey darin besteht, dass er reich ist – theoretisch ist er auch extrem anziehend, aber der Jungschauspieler Jamie Dornan hat keinen Funken Charisma. Ausser, man steht auf einen dümmlichen Blick und Pudelfrisur.
Immerhin, seine Anmachsprüche sind auch entsprechend plump.
Anastasia: „Sie sollten sich einen Overall kaufen, um ihre Kleider zu schützen.“
Christian: „Ich kann auch einfach alle Kleider ausziehen.“

Am Ende scheitert die Beziehung daran, dass der Mann nicht über seine Gefühle reden will. Wer das spannend findet, fiebert auch mit bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten.


Bewertung: 1 von 5


  • Titel: Fifty Shades of Grey
  • Land: USA
  • Regie: Sam Taylor-Johnson
  • Drehbuch: Kelly Marcel (nach dem Roman von E.L. James)
  • Darsteller: Dakota Johnson, Jamie Dornan, Eloise Mumford
  • Verleih: Universal
  • Start: 12. Februar 2015

Fotos von Universal

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