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30. April 2015, 00:00 Movie

Kino: The Gunman

Gregor Schenker - Sean Penn spielt den Actionhelden und hat dafür offensichtlich eine Menge Zeit im Fitnessstudio verbracht. Für Hirn hat's leider nicht mehr gereicht, denn „The Gunman“ ist Männerkino im schlechtesten Sinn des Wortes: Geistlos und frauenfeindlich.

Kino: The Gunman
Hoppala, so hat man den Charakterdarsteller Sean Penn irgendwie nicht im Gedächtnis: Die Muskeln zu derart grotesken Ausmassen aufgepumpt, dass der faltige Kopf des 54-Jährigen gar nicht mehr zum Rumpf passt. Da hat einer viel Zeit im Fitnessstudio verbracht – und zeigt es auch. In einer Szene läuft Penn mit freiem Oberkörper, aber in Bluejeans herum, als sei er einem Mädchenzimmer-Poster der 90er entsprungen.

Aber er muss ja auch ganz schön was leisten. Penn spielt einen Typen namens Terrier (!), der einst als Attentäter im Kongo arbeitete. Damals haben er und seine Kollegen den amtierenden Bergbauminister umgebracht (Terrier betätigte den Abzug), woraufhin das Land in Krieg und Chaos versank.

Acht Jahre später leidet er unter Schuldgefühlen und einem Hirnschaden, den er durch den ständigen Stresse als Söldner davongetragen hat. Letzteres wäre halbwegs interessant, geht aber irgendwann vergessen, bis es im Finale plötzlich wieder eine Rolle spielt. Das bezeichnet man dann als Faulheit des Drehbuchautors (bzw. der Drehbuchautoren). Soviel dazu.

Egal. Jedenfalls fängt irgendwer an, Terriers Kollegen von damals um die Ecke zu bringen. Gezwungenermassen nimmt er Kontakt mit den verbliebenen Kumpels auf – darunter Felix (Javier Bardem), der inzwischen mit Annie (Jasmine Trinca) verheiratet ist. Sie war seinerzeit im Kongo noch Terriers Geliebte. Und hier fängt der Film an, einen mit seinem mittelalterlichen Frauenbild zu nerven.

Denn wie Annie ihrem Ex-Freund erklärt, hat sie Felix geheiratet, weil sie ihm „etwas schuldig war“: Während das Land zum Teufel ging und Terrier als ausführender Attentäter vom Kontinent flüchten muss, hat nämlich Felix der jungen Frau geholfen. Ganz klar: Wenn sich ein Mann um eine Frau kümmert, ist sie dazu verpflichtet, seine Kinder auszutragen.

Nun ist es aber so, dass Felix ein jämmerlicher Alkoholiker und fies zu seiner Frau ist. Selbige verlässt ihn bei der erstbesten Gelegenheit und schläft mit Terrier, der, wie erwähnt, dicke Muskeln hat und zudem ein aufrechter Held ist. Zwar wird sie in der Folge seiner Taten wegen von den Bösewichten entführt, gefoltert und vergewaltigt, aber das lässt sie geduldig über sich ergehen.
Auch nachdem ihr Terrier gesteht, dass er sie die ganze Zeit angelogen hat, zuckt sie nicht einmal mit der Wimper. Als Frau bleibt sie charakterlos bis zur Selbstaufgabe und ordnet sich ganz dem Tun des Mannes unter.

Auch sonst ist sie kaum auszuhalten: Völlig hilflos und ständig am Rumheulen, braucht sie einen Rund-um-die-Uhr-Babysitter, um am Leben zu bleiben. Die Idee ist wohl, dass sie beim Zuschauer Beschützerinstinkte weckt, aber sie lässt bloss Mordgedanken aufkommen. Man muss kein Feminist sein, um eine solche Frauenfigur unerträglich zu finden.

Wie man es auch dreht und wendet: Im Jahre 2015 ist so etwas inakzeptabel.

Der Rest ist nicht wirklich der Rede wert. Bardem, der in No Country For Old Men oder Skyfall grandios gespielt hat, ist in seiner Rolle als Hanswurst vom Dienst völlig verschwendet. Und Idris Elba, der in einer Nebenrolle als CIA-Agent auftaucht, hat kaum was zu tun. Es soll ja keiner Sean fucking Penn die Show stehlen.

Am Ende stellt sich natürlich heraus, dass einer der Attentäter-Kumpels ein Verräter ist und die Morde in Auftrag gegeben hat (schnarch). Wenigstens stirbt er dafür einen halbwegs spektakulären Tod.


Bewertung: 2 von 5


  • Titel: The Gunman
  • Land: GB/Frankreich/Spanien
  • Regie: Pierre Morel
  • Drehbuch: Don MacPherson, Pete Travis, Seann Penn (nach dem Roman von Jean-Patrick Manchette)
  • Darsteller: Sean Penn, Jasmine Trinca, Javier Bardem, Idris Elba
  • Verleih: Impuls
  • Start: 30. April 2015

Fotos von Peterson-Entertainment

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