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25. Juni 2015, 10:29 Movie

Kino: Fidelio, l'odyssée d'Alice

Gregor Schenker - Betörend schön ist er, dieser Film über Freiheit auf hoher See und freie Liebe. Alice ist eine junge Frau, die auf einem Frachtschiff als Maschinistin arbeitet. Sie gerät zwischen ihren Kapitän und ihren Freund an Land.

Kino: Fidelio, l'odyssée d'Alice
Man möchte sofort seinen Job hinschmeissen und auf dem nächsten Frachtschiff anheuern, so schön ist das Meer in Fidelio. Regisseurin Lucie Borleteau und ihr Kameramann Simon Beaufils finden Bilder von unendlichen Wassermassen und gigantischer Maschinerie, bei denen einem die Tränen kommen.

Fidelio ist der Name des Frachters, auf dem Alice (Ariane Labed) landet, nachdem der Maschinist das zeitliche segnet. Ihre Chefs sind derart beeindruckt von ihrer Leistung, dass sie eine Festanstellung angeboten bekommt.

Kapitän des alten Dampfers ist allerdings Gaël (Melvil Poupaud), ihre erste grosse Liebe. Das Leben auf hoher See ist einsam und es kommt, wies kommen muss … Dabei wartet an Land Alices aktueller Freund Felix (Anders Danielsen Lie).
Gewissensbisse hat die junge Frau keine, denn in der Liebe ist sie locker und freizügig – da steht sie ihren männlichen Kollegen, die an jedem Hafen einen Schatz haben, in nichts nach.

Aber irgendwann kommt Felix ihrer Untreue auf die Spur und plötzlich ist nichts mehr so einfach wie zuvor. Dafür liest sich Alice durch das Tagebuch des toten Maschinisten, der es mit der Liebe ähnlich ungenau genommen hat wie sie – und der damit ähnlich unglücklich war.

Jetzt darf man bloss nicht denken, Fidelio laufe auf eine platte Moral der Geschichte hinaus à la: „Nur wahre Liebe macht glücklich.“ So doof sind die Filmemacher dann doch nicht. Aber sie schauen sich mit offenen Augen an, was Freiheit bedeutet. Wie die Freiheit auf hoher See hat Freiheit in der Liebe ihre guten und schlechten Seiten – und niemals ist Freiheit unkompliziert.

Ich wünschte mir nur, so ehrlich wäre der Film auch in der Darstellung der Sexszenen. Die Regisseurin und ihre Hauptdarstellerin geben sich sehr freizügig und feministisch (denn hier ist es die Frau, die sich holt, was sie will), bleiben jedoch in einer glattgebügelten Softpornoästhetik verhaftet. Die Frau möcht ich sehen, die nach fünfzehn Sekunden Lecken schon kommt – und den Mann, der danach einen trockenen und unverstrubbelten Bart hat.


  • Titel: Fidelio, l'odyssée d'Alice
  • Land: Frankreich
  • Regie: Lucie Borleteau
  • Drehbuch: Clara Bourreau, Lucie Borleteau
  • Darsteller: Ariane Labed, Melvil Poupaud, Anders Danielsen Lie
  • Verleih: Xenix
  • Start: 25. Juni 2015

Fotos von Xenix

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