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19. Juli 2007, 00:00 CD / Vinyl

Interpol - Our Love To Admire

Michelle Ziegler - Interpret: Interpol Album: Our Love To AdmireRelease: 10.07.2007Label/Vertrieb: Capitol Records / EMI Naja, dem amerikanischen Protzquartett Interpol hat es für sein drittes Album an Schneid gemangelt. Oder ist die Tieffahrt etwa der Tatsache zuzuschreiben, dass die vier New Yor...

Interpol - Our Love To Admire
Interpret: Interpol

Album: Our Love To Admire

Release: 10.07.2007

Label/Vertrieb: Capitol Records / EMI

Naja, dem amerikanischen Protzquartett Interpol hat es für sein drittes Album an Schneid gemangelt. Oder ist die Tieffahrt etwa der Tatsache zuzuschreiben, dass die vier New Yorker nach ihrem Debut wie Raketen in legendäre Höhen der Rockmusik aufstiegen? Dies passt zwar nur schlecht zum Vierergespann, das für seine strenge Schaffensmoral bekannt ist und bis anhin wenig irritierbar am eigenen Weg festgehalten hat.

Zumal, die beiden Vorgängerplatten spielten in einer komplett anderen Qualitätskategorie. Der Erstling Turn On The Bright Lights führte in den Kritikerreihen zu einstimmigen Lobhymnen. Und auch das zwei Jahre darauf folgende Antics vermochte zu überzeugen, obwohl darauf erste Durststrecken durchschienen. Danach hätte es konsequenterweise einer Kursänderung bedürft, die Interpol aber nicht bewerkstelligt hat. Our Love To Admire ist in eine fruchtlose musikalische Einöde abgedriftet. Die abgestumpften Songs verleiden dem Hörer noch vor dem ersten Durchhören des Albums und steigern den Überdruss bei jeder weiteren Konsumation.

Einen Schritt ins Neuland haben Interpol mit Our Love To Admire wohl gewagt. Im Opener Pioneer To The Falls äussert er sich: Hörner, Oboen und Streicher erweitern das Interpolsche Klanguniversum, erstmals kommt den Keyboards eine führende musikalische Rolle zu. Sie evozieren die typisch schwermütige Stimmung, was bisher vordergründig den Gitarren oblag. Dieser klangliche Ausbau verfehlt hier aber seine Wirkung. Er scheint das nicht zu leugnende Potential der Band mehr zu ersticken als zu entfachen. Tracks wie Pioneer To The Falls, das tranige The Scale und das monotone All Fired Up verlaufen sich in repetitiven Songstrukturen und abgestumpften Solos. Vielversprechende Songeinstiege (No I In Threesome und Rest My Chemistry) werden in ausgedienten Rockklischees, die irgendwie wiedergekäut klingen, lieblos erstickt. Das einzige lohnende Stück Musik steht am Schluss der Platte. The Lighthouse kommt fast ohne Perkussion aus, deutet auf die Energie von Paul Banks Stimme und erinnert an die Schönheit von Wehmut.

Die musikalischen Versäumnisse lenken den Fokus stärker auf die Texte des Leadsängers Paul Banks. Dieser hat schon mehrfach auf den offenen Gehalt seiner Lyrics hingewiesen, die vom Publikum interpretiert werden sollen. Banks galt schon immer als Poet, bei dem zwischen den Linien gelesen werden muss. Auf Admire wird jedoch von Song zu Song weniger klar, ob dort überhaupt irgendetwas zu stehen kommen kann. Die schmalschultrigen Texte scheinen kläglich in der Leere zu verdürsten. In No I In Threesome versucht Banks seine Geliebte von einem Dreier mit ihrer Freundin zu überzeugen. Rest My Chemistry thematisiert die so dermassen seichte Frage, ob einer aufgrund von Drogenkonsum zu kaputt sein kann, um ein junges Groupie ins Bett zu kriegen. Unablässig scheint sich Banks in seiner eigenen Gehaltlosigkeit und aufgesetzten 80er-Jahre-Rockstarmanier zu suhlen. Aus diesem Loch können wir ihn partout nicht herausholen. Und hineinschauen wollen wir erst recht nicht. Schade um Interpols Qualitäten, die wir bis jetzt doch so gerne mochten.

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