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14. Februar 2013, 12:17 Movie

Kino: Post Tenebras Lux

Gregor Schenker - Mit „Post Tenebras Lux“ bringt der mexikanische Regisseur Carlos Reygadas einen Film ins Kino, der so manchen Zuschauer ratlos zurücklässt. Und doch kann man sich dieser mysteriösen Geschichte um eine dämonengeplagte Familie unmöglich entziehen.

Kino: Post Tenebras Lux
Ein kleiner Junge sieht mit an, wie ein leuchtend roter Teufel mitten in der Nacht im Schlafzimmer seiner Eltern verschwindet. Der Dämon hat einen Werkzeugkasten bei sich. Was macht er damit hinter geschlossenen Türen?

Bei den Eltern handelt es sich um Natalia (Nathalia Acevedo) und Juan (Adolfo Jiménez Castro). Zusammen mit ihren kleinen Kindern Eleazar und Rut leben sie auf einem mexikanischen Landsitz. Der rote Teufel scheint an Juan herumgeschraubt zu haben: Er ist pornosüchtig, verlangt von seiner Frau Analsex und schleppt sie in einen Swingerclub. Hinzu kommt sein Hang zu Gewaltausbrüchen – so schlägt er einen der Haushunde beinahe tot. Wo wird das noch enden?

Das mag sich eher simpel anhören, doch der mexikanische Regisseur Carlos Reygadas (Stilles Licht) hat alles andere im Sinn, als es seinem Publikum einfach zu machen. Post Tenebras Lux folgt im Grunde keiner Handlung, sondern besteht aus einem Arrangement von scheinbar unabhängigen Episoden. Es sind betont langsam gefilmte Einblicke in den Alltag einer Familie, die chronologisch nur schwer einzuordnen sind: Einmal sieht man plötzlich Rut und Eleazar als Teenager am Strand. Wann genau die Szene im Swingerclub spielt, ist unmöglich zu sagen. Und zwischendurch landet man bei einem Rugby-Match von Jugendlichen, der so gar nichts mit dem Rest des Filmes zu tun haben scheint.
Als Zuschauer wird man in jede neue Episode geworfen wie ins kalte Wasser. Und manchmal findet man heraus, dass man eben bloss einen Traum gesehen hat. Die Zusammenhänge muss man sich selbst zusammenreimen.

Die Optik ist eine weitere Merkwürdigkeit: Reygadas verwendet nicht nur das heutzutage ungewohnte 4:3-Format, sondern gerne auch eine Kamera, die die Ränder des Bildes verschwimmen lässt. Es fokussiert die Mitte, während die Peripherie unklar wird – wie beim menschlichen Blick.

Das passt zu einem betont subjektiven Film, der direkt einem fiebernden Gehirn entsprungen scheint: Erinnerungen gehen drunter und drüber, die Optik ist unklar, aus dem Unterbewusstsein entspringen surreale Traumbilder. Hier fliessen enttäuschende Beziehungen und Familienprobleme zusammen. Die erhabene Natur steht neben menschlicher Brutalität, Perversität und Sucht. Aber auch die Barbarei einer Gesellschaft durchzieht das Geschehen: Stets sind die Spannungen zwischen Arm und Reich zu spüren, also zwischen Juans Familie und den Bediensteten. Sie werden zu einem erschütternden Ende führen.


Bewertung: 4 von 5


  • Titel: Post Tenebras Lux
  • Land: Mexiko/Frankreich/Holland/Deutschland
  • Regie: Carlos Reygadas
  • Drehbuch: Carlos Reygadas
  • Darsteller: Adolfo Jiménez Castro, Nathalia Acevedo, Willebaldo Torres
  • Verleih: Look Now!
  • Start: 14. Februar 2013
Fotos von Look Now!
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