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8. April 2011, 13:55 CD / Vinyl

Foo Fighters – Wasting Light

David Nägeli - Die Foo Fighters um Mastermind Dave Grohl veröffentlichen mit „Wasting Light“ bereits ihr siebtes Studioalbum. Die Platte sollte ihr bisher härtestes Album werden, sich auf die Wurzeln der Band berufen und bietet elf Songs, von grosser Genialität bis zu zehnfach wiedergekäutem Radio-Pop-Stumpfsinn.

Foo Fighters – Wasting Light
Dave Grohl ist älter geworden. 42 Jahre hat der Ex-Nirvana-Drummer bereits auf dem Kasten und die Zeiten, in denen er mit Kurt Cobain die Musikwelt revolutionierte und Jugendaggressionen in Musik verwandelte, existieren wohl nur noch als Polaroidbilder in den Fotoalben des Familienhaushalts. Trotzdem: Gegenüber der „SonntagsZeitung“ sprach Dave Grohl von „Rockern“ und „Nicht-Rockern“, von Rebellen und studierten Musikern und zeigte sich froh darüber, auf dem neuesten Album ein letztes Mal „drei Stunden am Stück schreien zu können.“ Das Album wurde in der Garage von Dave Grohl aufgenommen, nur mit Tonband und sollte dadurch noch ein wenig "roh" klingen - rockig halt. Werden die Foo Fighters den hohen Erwartungen gerecht und sind sie wirklich noch die selben "Rocker" wie früher?

Interessanterweise werden sich nämlich genau die diffamierten „Nicht-Rocker“ gerne auf „Wasting Light“ einlassen, denn gerade Songs wie „These Days“ oder „Back & Forth“ laden zur klassischen Pop-Analyse ein: Keine Überraschungen, keine grosse Disharmonie und vorhersehbare, „berechnete“ Melodien. Was für Hitparade-Püppchen und Nickelback vielleicht funktioniert, dürfte bei einer Band vom Kaliber der Foo Fighters doch eigentlich nicht vorkommen – vorallem nach grossen Ankündigungen. So wirken die beiden Songs ein wenig deplatziert und im Vergleich zum Rest langweilig. Doch damit genug Negatives, denn was ansonsten über „Wasting Light“ zu sagen bleibt, ist Lob (und Rock) genug.

Zurück zu den Wurzeln

Das Album eröffnet mit Garagen-Gitarren in „Bridge Burning“ und den Worten „these are my famous last words“ – mitten ins lauschende Ohr geschrien – und was in den ersten Songs zu hören ist, wird den Versprechungen tatsächlich gerecht. Die Foo Fighters berufen sich auf ihre Grunge-Wurzeln und erinnern desöfteren an Nirvana in ihren poppigen Momenten oder an Queens Of The Stone Age und Konsorten. Noch mehr Arschgetreten wird in „White Limo“: Gitarren und Gesang kreischen über dem durchgehenden Bass um die Wette und die Foo Fighters demonstrieren überzeugend, dass der Rock’n’Roll trotz ein oder zwei durchschnittlich-schwachen Pop-Songs immer noch in ihren Herzen schlummert.

Eine absolute Perle ist „Arlandria“. Der grossartige Refrain sitzt bereits nach einmaligem Hören in den Synapsen fest und ab dem zweiten Chorus ertappt man sich beim Mitgröhlen. Apropos Mitgröhlen: Die Alternative-Legende Bob Mould von Hüsker Dü steht bei „Dear Rosemary“ zusammen mit Dave Grohl hinter dem Mikro und verleiht dem Song den letzten Schliff. Auch ansonsten überzeugt der Gesang auf voller Linie: Grohls Stimme deckt das gesamte Spektrum von aggressiven Shouts und Screams bis zu sanften Melodien perfekt ab. Bemerkenswert ist auch das Gitarrensolo in „Rope“, dem die analoge Aufnahme auch noch den letzten nimmt und einen unheimlich kaputten Sound produziert.

Lyrisch sind die Foo Fighters ebenfalls gealtert - zum besseren. Die Songtexte wirken gereifter, sauberer und irgendwie erwachsen: „Hush, hush, settle down. Button up, don’t make a sound. Shame, shame, go away. Come again some other day.“ Der Albumtitel ist dem Song „Miss the Misery“ entlehnt, textlich interessanterweise einer der schwächeren Songs. Natürlich will hier nur ein gewisses Gefühl vermittelt werden, doch gute Lyrik wäre dabei nicht fehl am Platz. Ansonsten mag das Album auch mit den Lyrics zu überzeugen, die Texte fliessen, wirken nicht gesucht und ergänzen die Musik mit dem Klang der Worte fantastisch.

Abschied von Kurt Cobain

Besonderes Augenmerk gilt dem Song „I Should Have Known“, in dem Krist Novoselić (Bassist und Mitgründer von Nirvana) den Bass zupft und das Akkordeon bespielt. Es handelt sich um einen Abgesang an Kurt Cobain, der sich auf dem Höhepunkt der Karriere mit Heroin und einer Schrotflinte das Leben nahm. Der Suizid veränderte das Leben der übrigen Nirvana-Mitglieder drastisch und zwischen Selbstvorwürfen und Hilflosigkeit hatte auch Dave Grohl lange mit sich selbst zu kämpfen. Das Resultat dieser Katharsis steckt zwischen dem Nirvana-Gitarrensound in den ersten Takten und den dreckigen Bassklängen von Novoselić gegen Ende und weckt Erinnerungen an die Grunge-Legenden zu ihren besten Zeiten. Und wenn heute jemand die Berechtigung hat, nach Nirvana zu klingen, dann die Foo Fighters.

„Wasting Light“ ist kein „ballern ohne Verschnaufpause“, wie das „Tagblatt“ schreibt und hat, wie alle bisherigen Foo Fighters Alben, auch seine schwächeren Momente. Nichtsdestotrotz präsentiert die Truppe um Mastermind Grohl hier ein fantastisches Werk, das vor allem für sein Abwechslungsreichtum zu loben ist. Keine zwei Songs klingen zum verwechseln ähnlich und beinahe jedermann wird auf „Wasting Light“ etwas finden, das ihm gefällt. Von dem aggressiv-stampfenden „White Limo“ über die 80er-Jahre-Stadionrock-Hommage „Walk“ bis zu dem mehr als radiotauglichen Pop-Produkt „These Days“ – „Wasting Light“ ist ein mehr als solides Album und wird in jeglichen Verkaufscharts einige Wochen die Spitze krönen. Trotzdem wird Dave Grohl immer der Typ bleiben, der für Nirvana auf die Drumfelle einprügelte. Doch mit „I Should Have Known“ hat er damit nun abgeschlossen – in Frieden.

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Kommentare
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DarkLara
DarkLara 04.10.2011 um 00:12
Cool. Hab Dave immer bewundert mit den Foo's )Echte Nirvana-Erben... trotzdem schade um Kobain. R.I.P
MUChris 09.04.2011 um 02:45
Auf soundcloud kann man sich das Album anhören. Läuft bei mir auf heavy rotation.